oder

Verlag

Luchterhand Literaturverlag

Spiele

Longlist 2005

Spiele

Katja ist Fotojournalistin, berühmt geworden durch Bilder von privaten Dramen inmitten gesellschaftlicher Umbrüche. Nach 20 Jahren des Reisens bemerkt sie, wie auch ihr eigenes Leben von der Geschichte bestimmt wurde: vom Geiseldrama bei den Olympischen Spielen 1972. „Spiele“ entwirft ein großes, atmosphärisches Gesellschaftspanorama und erzählt die Geschichte einer zarten, verhinderten Liebe.

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Der einzige Mann auf dem Kontinent

Longlist 2009

Der einzige Mann auf dem Kontinent

Darius Kopp ist Anfang 40, verheiratet und einziger Vertreter einer amerikanischen Firma für drahtlose Netzwerke in den Ländern Mittel- und Osteuropas. Eines Tages lässt ein säumiger armenischer Kunde eine Pappschachtel mit Geld in Kopps Büro, und ab da beginnt seine Welt zu bröckeln. Nicht nur in seinem Beruf, muss Darius schließlich erkennen, sondern auch in seiner Ehe kämpft er um das nackte Überleben.

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Das Ungeheuer

Preisträger 2013

Das Ungeheuer

Arbeit, Arbeitsweg und Schlaf. So sah das erfolgreiche Leben von Darius Kopp aus. Bis er eines Tages den Job verlor und seine Frau sich bald darauf das Leben nahm. Seitdem lebt er apathisch dahin, verlässt für Monate die Wohnung nicht und tötet die Zeit mit Fernsehen und Fertigpizza. Er beschließt neue Wege zu gehen: Darius will das auf Ungarisch geschriebene Tagebuch seiner Frau lesen, und er muss ihre Urne beisetzen. Aber wo? In ihrem ungarischen Heimatdorf oder in Budapest oder an den Hängen des Ararat? So begibt sich Darius auf eine lange Reise – auf der Suche nach der Wahrheit über seine Frau und über sich selbst.

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Begründung der Jury

Ein schwarzer Strich zieht sich durch den Buchtext von Terézia Moras Roman ,Das Ungeheuer‘. Er teilt die Geschichte von Darius Kopp und Flora. Sie waren ein Ehepaar, er ein Jedermann, der seine Frau mehr als alles, aber heillos liebte und überfordert war von ihrer Krankheit, ihren Depressionen. Flora hat Selbstmord begangen. Kopp bleibt zurück mit ihrer Asche in einer Urne und einer Datei, in der die Ungarin Flora Tagebuch über ihre Krankheit führte. Er macht sich auf den Weg durch Osteuropa von Ungarn nach Kroatien, nach Albanien und immer weiter bis er schließlich in Griechenland strandet, auf der Suche nach einer Heimat für die Asche und seine Verzweiflung. ,Das Ungeheuer‘ ist ein stilistisch virtuoser, perspektivenreicher Nekrolog und eine lebendige Road-Novel aus dem heutigen Osteuropa. Terézia Mora findet eine radikale Form, der verstorbenen Flora und ihrem Leiden, das sie Darius nicht mitteilen konnte, eine Stimme zu geben. Ihre Tagebuchdatei ist parallel zur Reiseerzählung von Darius unter dem schwarzen Strich zu lesen, ein Mosaik autobiografischer und medizinischer Skizzen zur Depression. Als Schriftstellerin gelingt es Mora, zwei Charaktere, die sich im Leben verfehlten, und zwei Textformen miteinander in Verbindung zu setzen. Terézia Mora vereint hohes literarisches Formbewusstsein mit Einfühlungskraft. ,Das Ungeheuer‘ ist ein tief bewegender und zeitdiagnostischer Roman.

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Die geheimen Stunden der Nacht

Longlist 2005

Die geheimen Stunden der Nacht

Georg von Heuken bekommt mit über fünfzig Jahren endlich die Chance, sämtliche Geschäfte von seinem Vater, dem Verleger Richard von Heuken, zu übernehmen. Mit dem Vater tritt eine nach dem Krieg ihren Erfolg suchende Generation zurück und macht jenen Platz, die in deren Schatten standen. Ortheil erzählt in diesem Familienroman vom Kampf um ein Erbe – und um die Liebe einer geheimnisvollen Frau.

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Flughafenfische

Longlist 2009

Flughafenfische

Elis wartet auf einen Anschlussflug, als sie das riesige Aquarium in der Transithalle des Flughafens entdeckt – und Tobias, den Pfleger des Aquariums, für den sie sich schnell zu interessieren beginnt. Auch er hat Elis schon eine Weile beobachtet. Zaghaft beginnen die beiden, sich zu unterhalten, aneinander vorbei zu reden. Obwohl sie nichts verbindet, finden sie langsam zu einer vorsichtigen Nähe, die alles ändern kann.

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Wir in Kahlenbeck

Longlist 2012

Wir in Kahlenbeck

Es ist eine Welt für sich: das Collegium Gregorianum Kahlenbeck, ein streng katholisches Jungeninternat irgendwo am Niederrhein. Hier wächst der knapp 15-jährige Carl Pacher Anfang der achtziger Jahre heran. Kahlenbeck, das ist eine spartanische Welt voller Regeln und Verbote, durchdrungen von elitärem Geist, Askese und Weltverachtung. Gleichwohl gärt unter der Oberfläche der Geist pubertärer Rebellion und herrscht unter den Jugendlichen eine gnadenlose Hackordnung, in der schwächere Schüler und Außenseiter ungeniert gedemütigt, schikaniert und ausgegrenzt werden. Von den inneren Widersprüchen des Collegiums ist Carl Pacher tief geprägt. Denn einerseits ringt der schwärmerische und manchmal bestürzend naive Junge um Selbstüberwindung und den rechten Glauben. Aber zugleich kann er sich gegen frühreife erotische Phantasien ebenso wenig wehren wie gegen die Sehnsucht nach der unbedingten Liebe. Lange verehrt er so heimlich das Küchenmädchen Ursula, das für ihn unerreichbar scheint, nicht zuletzt, weil es um einiges älter ist als er. Doch dann wird sein stilles Werben wie durch ein Wunder erhört. Dabei hat die Verbindung zu Ursula kaum eine Chance auf Dauer, aber das will Carl lange Zeit einfach nicht wahrhaben… Sowohl tiefgründig als auch aberwitzig und komisch, ist »Kahlenbeck« ein Pubertäts- und Internatsroman, wie man ihn lange nicht gelesen hat: ein beeindruckender Roman über Religion und Spiritualität, über Freundschaft und Rivalität, über das Fegefeuer der Pubertät und die Fallgruben der Liebe. Wie ChristophPeters diese Themen und Motive miteinander verknüpft, das ist höchste erzählerische Kunst.

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Wie der Soldat das Grammofon repariert

Shortlist 2006

Wie der Soldat das Grammofon repariert

Als der Bürgerkrieg in den neunziger Jahren Bosnien heimsucht, flieht Aleksandar mit seinen Eltern in den Westen. Neugierig erobert er sich das fremde Deutschland und fabuliert sich mit den irrwitzigen Geschichten von damals, von der großen Familie und den kuriosen Begebenheiten die Angst weg und "die Zeit, als alles gut war" wieder herbei. Ein tragikomischer Roman über Heimat und Fremde und die Kraft des Erzählens.

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Kommentar der Jury

Saša Stanišić ist ein wunderbarer Debütant. Mit „Wie der Soldat das Grammofon repariert“ hat er eine Geschichte geschrieben, die von Bosnien und Deutschland und Bosniern in Deutschland handelt. In dem Roman über Heimat, Familie und Verlust und die Macht des Erzählens ist dabei – wie in den Filmen von Emir Kusturica - alles möglich.

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Sieben Sprünge vom Rand der Welt

Longlist 2014

Sieben Sprünge vom Rand der Welt

Simone Grolmann ist 52, etabliert und angesehen, Professorin für Verhaltens-forschung, Mutter einer Tochter, ein analytischer Mensch. Und doch hat sie Angst. Angst vor Schnee. Die Angst ist tief in ihr, versunken wie der Breslauer Wald, durch den ihr Vater, sein behinderter Bruder Emil und seine Mutter Lilly in der Nacht vom 19. auf den 20. Januar 1945 stapften, bei minus 21 Grad: drei Menschen mit drei durchweichten schweren Pappkoffern. 17 Jahre vor ihrer Geburt war das, und doch ist es ihre eigene Angst. Sie versteht den Schmerz nicht, den sie deutlich fühlt. Simone liebt ihren Vater Eustachius - und kommt ihm gleichwohl nicht nah. Eustachius Grolmann, 83, ist ein „Nazikind“. Aufgewachsen im Propagandastaat, 1945 als Fünfzehnjähriger aus Schlesien in den Westen geflohen. Noch immer wird er von den Erinnerungen an die Flucht und den Tod seines Bruders heimgesucht. „Sei froh, dass du lebst.“ Den Satz, den er nach dem Krieg immer wieder zu hören bekommen hat, hat er sich selbst so oft vorgesagt, bis er glaubte, das, was er spürte, könnte nun endlich dieses Frohsein sein.

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Vor dem Fest

Longlist 2014

Vor dem Fest

Es ist die Nacht vor dem Fest im uckermärkischen Fürstenfelde. Das Dorf schläft. Bis auf den Fährmann – der ist tot. Und Frau Kranz, die nachtblinde Malerin, die ihr Dorf zum ersten Mal bei Nacht zeigen will. Ein Glöckner und sein Lehrling wollen die Glocken läuten, das Problem ist bloß: die Glocken sind weg. Eine Füchsin sucht nach Eiern für ihre Jungen, und Herr Schramm, ein ehemaliger Oberst der NVA, findet mehr Gründe gegen das Leben als gegen das Rauchen. Niemand will den Einbruch ins Haus der Heimat beobachtet haben. Das Dorfarchiv steht aber offen. Doch nicht das, was gestohlen wurde, sondern das, was entkommen ist, treibt die Schlaflosen um. Alte Geschichten, Sagen und Märchen ziehen mit den Menschen um die Häuser. Sie fügen sich zum Roman einer langen Nacht, zu einem Mosaik des Dorflebens, in dem Alteingesessene und Zugezogene, Verstorbene und Lebende, Handwerker, Rentner und edle Räuber in Fußballtrikots aufeinandertreffen. Sie alle möchten etwas zu Ende bringen, in der Nacht vor dem Fest.

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89/90

Longlist 2015

89/90

Sie sind der letzte Jahrgang, der noch alles mitmachen darf – damals in Dresden vom Sommer vor der Wende bis zur Wiedervereinigung: die lauen Freibadnächte und die Ausweiskontrollen durch die »Flics« auf der »Rue« und die Konzerte im FDJ-Jugendklub »X. Weltfestspiele«. Sie sind die Letzten, die noch »vormilitärischen Unterricht« haben. Und sie sind die Ersten, die das dort Erlernte dann im Herbst 89 erst gegen die Staatsmacht anwenden. Und schließlich gegeneinander. Denn was bleibt dir denn, wenn du zum Fall der Mauer beiträgst, aber am nächsten Tag trotzdem eine Mathe-Arbeit schreiben musst, wenn deine Freundin eine gläubige Kommunistin ist und die Kumpels aus dem Freibad zu Neonazis werden?

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