oder

Verlag

Suhrkamp Verlag

Kaltenburg

Longlist 2008

Kaltenburg

Ludwig Kaltenburg arbeitet in den dreißiger Jahren in Posen. Als Kind begegnet ihm der Erzähler dort zum ersten Mal. Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reichs flüchtet der Junge mit seinen Eltern nach Dresden. Später studiert er dort Ornithologie, was ihn erneut in Kontakt zu Kaltenburg bringt. Ein Panorama deutscher Geschichte von den dreißiger Jahren über die Gründung und das Ende der DDR bis in die Gegenwart.

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Geschäftsjahr 1968/69

Longlist 2005

Geschäftsjahr 1968/69

Zwei Freunde träumen vom antikapitalistischen Betrieb im Kapitalismus. Mit ihrer Hippie-Gartenlaubenfirma gelingt ihnen im „Geschäftsjahr 1968/69“ der Durchbruch, sie entwickeln das erste diskoreife Stroboskop-Licht und feiern Premieren in den ersten Psychedelic-Clubs. In diesem grellen aber umso realistischeren Roman erinnern die 68er mit ihren Visionen, Illusionen, Drogen- und Finanzcrashs unvermutet an die Neunziger.

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Gutgeschriebene Verluste

Longlist 2012

Gutgeschriebene Verluste

Berlin 2005. Im Schöneberger Café Fler, einem Asyl der Übriggebliebenen aus dem alten Westberlin, sitzt ein Mann von sechzig Jahren. Kein Eigenheim, keine Familie, keine Rentenansprüche. Vor Jahren hatte er zweimal im Blitzlicht der Geschichte gestanden: das erste Mal um 1968, als Miterfinder des Disco-Stroboskops und Hippie-Businessman; das zweite Mal Ende der Siebziger, als Irrwisch in der jungen Mauerstadt-Bohème mit ihren künftigen Weltstars, Opfern und Verrätern. Davor, dazwischen und dahinter lagen Schattenzeiten, wo sich die verborgenen, aber nicht weniger spektakulären Dramen dieses Lebens abspielten. Mit elegantem Understatement, doch ohne Rücksicht auf Verluste zieht Bernd Cailloux die Lebensbilanz von einem, der von Bilanzen nie viel wissen wollte.

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Die Abschaffung der Arten

Shortlist 2008

Die Abschaffung der Arten

Das Zeitalter, das wir kennen, ist längst eingeschlafen. Im einstigen Europa gibt es nur noch drei riesige Städte. Die Welt gehört den Tieren, und wird vom Löwen Cyrus Golden gelenkt. Als große Gefahr droht, schickt er den Wolf Dmitri als Diplomaten aus, einen Verbündeten zu suchen. Die Reise führt den Wolf bis an den Rand seiner Welt, wo er erkennt, „warum den Menschen passiert ist, was ihnen passiert ist“.

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Kommentar der Jury

Eine „florifaunische Zivilisation“ hat die Erde erobert und will es besser machen als die Menschen. Wunderbare Figuren, die sich nach Herzenslust verwandeln, bevölkern diesen großen spekulativen Roman. Neben intellektueller Herausforderung und bester Unterhaltung, bietet er dem Leser eine abenteuerliche Erkundungsreise: nach neuen Formen des Umgangs, die man endlich menschlich nennen könnte.

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Johann Holtrop

Longlist 2012

Johann Holtrop

Ein  Chef  stürzt  ab. JohannHoltrop erzählt die Geschichte eines Chefs aus Deutschland in den Nullerjahren. Der charismatische, schnelle, erfolgreiche Vorstandsvorsitzende Dr.JohannHoltrop, 48, seit drei Jahren Herr über 80 000 Mitarbeiter und einen Jahresumsatz von fast 20 Milliarden weltweit, ist aus der Boomzeit der späten 90er Jahre noch ganz gut in die neuen, turbulenten, wirtschaftlich schwierigeren Zeiten gekommen. Die Handlung setzt ein im November 2001 und erzählt in drei Teilen, wie im Lauf der Nullerjahre aus Egomanie und mit den Widerständen wachsender Weltmissachtung, der Verachtung der Arbeit, der Menschen, der Gegenwart und des Rechts, ganz langsam und für Holtrop selber nie richtig klar erkennbar, ein totaler Absturz ins wirtschaftliche Aus, das persönliche Desaster und das gesellschaftliche Nichts wird, so abgrundtief und endgültig, wie ein früherer Aufstieg unwiderstehlich, glorios und plötzlich gewesen war. Das war Ihr Leben, JohannHoltrop! Was sagen Sie dazu?

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Die Habenichtse

Preisträger 2006

Die Habenichtse

Isabelle und Jakob treffen sich am 11. September 2001. Sie heiraten und ziehen nach London, wo Jakob eine Stelle in einer Anwaltskanzlei antritt. Die beiden haben scheinbar alles, was ein junges, erfolgreiches Paar auszeichnet – und stehen doch mit leeren Händen da. Katharina Hacker erzählt meisterlich, wie sehr die Unfähigkeit zu Entscheidungen und Mitgefühl kollidiert mit der Sehnsucht nach existentiellen Erfahrungen.

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Begründung der Jury

Katharina Hackers Roman Die Habenichtse erzählt die Geschichte von Haben und Sein neu. Ihre Protagonisten sind in den Dreißigern, wissen alles und kennen doch eines nicht: sich selbst. Sie lassen sich treiben und sind gleichermaßen Getriebene. In einer flirrenden, atmosphärisch dichten Sprache führt Katharina Hacker ihre Helden durch Geschichtsräume und in Problemfelder der unmittelbarsten Gegenwart, ihre Fragen sind unsere Fra-gen: Wie willst du leben? Was sind deine Werte? Wie sollst und wie kannst du handeln? Die Qualität des Romans besteht darin, diese Fragen in Geschichten aufzulösen, die sich mit den plakativen Antworten von Politik und Medien nicht zufriedengeben

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Kürzere Tage

Longlist 2009

Kürzere Tage

In der Constantinstraße, wo die Altbauten unter Denkmalschutz stehen, scheint alles in Ordnung. Hier wohnen die Aufsteiger und Übermütter. Aber Leonie verzweifelt am Doppelleben als Karrierefrau und Mutter. Judith findet Halt in der Anthroposophie und pflegt den Jahreszeitentisch für ihre Kleinen. Doch nachts helfen nur Tabletten gegen die Angst. Eines Tages versetzt der junge Marco die Nachbarschaft in Aufruhr.

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Blumenberg

Shortlist 2011

Blumenberg

Groß, gelb, gelassen: berückend selbstverständlich liegt eines Nachts ein Löwe im Arbeitszimmer des Philosophen Blumenberg. Die Glieder auf dem Teppich ausgestreckt, die Augen auf den Hausherrn gerichtet. Der gerät, mit einiger Mühe, nicht aus der Fassung, auch nicht, als der Löwe am nächsten Tag in seine Vorlesung trottet. Die Bänke sind voll besetzt, aber keiner der Zuhörer scheint ihn zu sehen. Das Auftauchen des Tieres wirkt nicht nur in das Leben Blumenbergs hinein. Auch Studenten geraten in seinen Bann, darunter der fadendünne Gerhard, ein glühender Blumenbergianer, und die zarte Isa, die sich mit vollen Segeln in den Falschen verliebt.

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Kommentar der Jury

Eine Hommage an den unbekanntesten unter den großen deutschen Philosophen: Hans Blumenberg (1920-1996). Sibylle Lewitscharoff verwandelt sich sein bildhaftes Denken an, indem sie ihm auf halbem Weg zwischen Literatur und Theologie entgegen kommt. Mit unvergleichlichem Sprachwitz dichtet sie Blumenberg einen Löwen als Weggefährten an, erzählt von Tod und Auferstehung und erfindet Schicksale von Studenten, die in den Bann des Skeptikers gerieten. Kein biografisch angelegter Künstlerroman, sondern eine Fantasie über einen Eremiten, der sich nur in seiner Arbeitshöhle zu Hause fühlte, und ein ironisches Porträt des intellektuellen Zeitgeists zu Anfang der 80er Jahre.

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Das Zimmer

Longlist 2010

Das Zimmer

Mit einem Bein steht er noch im Paradies, dafür hat die Geburtszange gesorgt. Immer ist er ein Kind geblieben, und wurde doch stets älter, und leben mußte er auch irgendwie. Nun ist er schon dreißig und hat seine große Liebe, einen VW-Variant Typ 3, mit dem fährt er zwischen den blühenden Rapsfeldern umher. Es ist das Jahr der ersten Mondlandung, 1969, als man in Frankfurt am Main noch Treppensteigen geht in den Bordellaltbauten um den Bahnhof herum. Ein Tag im Leben Onkel J.s. Hin- und hergerissen zwischen Luis Trenker, der Begeisterung für Wehrmachtspanzer und den Frankfurter Nutten, wird J. plötzlich als ein Mensch erkennbar, der außerhalb jeden Schuldzusammenhangs steht, noch in den zweifelhaftesten Augenblicken. Einer, der nicht zugreift, weil er es gar nicht kann, während die Welt um ihn herum sich auf eine heillose Zukunft wie auf die Erlösung vorbereitet.

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Und ich schüttelte einen Liebling

Shortlist 2005

Und ich schüttelte einen Liebling

Nach dem Tod ihres Schreib- und Lebensgefährten hat Friederike Mayröcker ihre Erinnerungen und Träume, Gespräche und Zitate, Eindrücke und Beobachtungen gesammelt und – immer wieder neu – auf den fruchtbaren Augenblick gewartet, da Schreiben und Ernten in eins und die Sätze wie reife Früchte zu Papier fallen. Entstanden ist ein anrührend unkonventionelles Buch der Erinnerung, das zugleich ein großer Abschied ist.

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Kommentar der Jury

Ein Buch der Erinnerung, der großen Angst vor dem Verlust des Schreibens, des Erzählens und des Vergessens. Ein Text der Trauer und der Liebe, von irritierender Intensivität - für mich ist Friederike Mayröckers Und ich schüttelte einen Liebling der berührendste Text über die Liebe seit langem. Und das existenziellste Buch der Nominierungsliste.

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Don Juan de la Mancha

Longlist 2007

Don Juan de la Mancha

Nathans Vater suchte sein Glück bei den Frauen, Nathans Mutter fand ihr Unglück bei den Männern. Nathan bricht auf in die Welt, um alles ganz anders zu machen. Was macht er ganz anders? Nichts. Nur die Bedingungen haben sich geändert, die Ansprüche. Nathan verkörpert die Generation der Nach-68er. Unter dem Diktat der Emmas und Bettys darf er seine Männlichkeit zwar ausleben, aber nicht mehr genießen.

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Die Sonnenposition

Shortlist 2013

Die Sonnenposition

Altfried Janich findet nach der Wiedervereinigung eine Stelle im »Ostschloss«, einem heruntergekommenen Barockbau, der eine psychiatrische Anstalt beherbergt. Er nimmt seinen Patienten gegenüber die Sonnenposition ein, bietet ihnen Orientierung und spendet Trost. Als sein Freund Odilo durch einen rätselhaften Autounfall stirbt, gerät er selbst auf die Nachtseite der Dinge. Tagsüber rücken ihm die Patienten zu nahe, nachts geistert er durch die Säle. Es plagen ihn Erinnerungen, seine Familiengeschichte holt ihn ein. Bald stellt sich die Gewissheit ein, dass er aus dem Schloss nicht mehr wegkommen wird.

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Kommentar der Jury

Sichtbar und unsichtbar zu sein, das schließt sich keineswegs aus. Altfried Janich, Psychiater in einem ostdeutschen, zur Heil- und Pflegeanstalt umfunktionierten Schloss, weiß das von Profession her. In erhellender Absicht folgt der Roman Janichs Trauerprozess um einen toten Freund und malt zugleich ein historisches Stillleben dieses Landes, in dem sich Gegenwart und Vergangenheit, Ost und West, das Schöne und das Hässliche, Realismus und Poesie bedingen und verwandeln. Was wir Wirklichkeit nennen mögen, ist einem lange nicht so bildreich, detailgenau und zugleich verzaubert entgegengetreten.

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Andernorts

Shortlist 2010

Andernorts

Richtig wohl fühlt sich der israelische Kulturwissenschaftler Ethan Rosen nur auf Reisen. Im Augenblick fliegt er von Tel Aviv, wo er seine Familie besucht hatte, nach Wien und schreibt an einem der polemischen Artikel, die er vorzugsweise unterwegs verfasst – diesmal gegen seinen größten Konkurrenten um eine Professur, Rudi Klausinger. Kaum in Wien angekommen, erreicht ihn die Nachricht, sein Vater liege im Krankenhaus. Zurück in Israel erfährt er, dass Klausinger nicht nur in beruflicher Hinsicht mit ihm konkurriert…

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Kommentar der Jury

„Andernorts“ von Doron Rabinovici spielt zwischen Israel und Wien und verhandelt die großen Fragen des Judentums, der Schoah, des Erinnerns und Vergessens – und zwar auf unglaublich komische Weise. Es beginnt im Flugzeug: Der Kulturwissenschaftler Ethan Rosen, der in Wien mit seinem Kollegenfeind Rudi Klausinger um eine Professur an der Universität konkurriert, ist auf dem Weg nach Tel Aviv, wo sein Vater im Sterben liegt. Dort angekommen, findet er am Bettrand des Vaters ausgerechnet Rudi Klausinger, der behauptet, in Wahrheit sein Bruder zu sein. Ist die Geschichte ihrer Familie also die Geschichte einer Lüge? Und wenn ja: Welches Recht haben die Überlebenden von Auschwitz, die in den Erinnerungen die Wahrheit suchen, eine Familie, einen Staat basierend auf einer Lüge zu gründen? Das sind die Fragen, die der in Wien lebende Doron Rabinovici stellt: in seinem schlauen, reflektierten, komischen und sehr elegant erzählten Buch.

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Der Hals der Giraffe

Longlist 2011

Der Hals der Giraffe

Anpassung ist alles, weiß Inge Lohmark. Schließlich unterrichtet sie seit mehr als dreißig Jahren Biologie. Daß ihre Schule in vier Jahren geschlossen werden soll, ist nicht zu ändern – in der schrumpfenden Kreisstadt im vorpommerschen Hinterland fehlt es an Kindern. Lohmarks Mann, der zu DDR-Zeiten Kühe besamt hat, züchtet nun Strauße, ihre Tochter Claudia ist vor Jahren in die USA gegangen und hat nicht vor, Kinder in die Welt zu setzen. Alle verweigern sich dem Lauf der Natur, den Inge Lohmark tagtäglich im Unterricht beschwört. Als sie Gefühle für eine Schülerin der 9. Klasse entwickelt, die über die übliche Haßliebe für die Jugend hinausgehen, gerät ihr biologistisches Weltbild ins Wanken. Mit immer absonderlicheren Einfällen versucht sie zu retten, was nicht mehr zu retten ist.

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Indigo

Shortlist 2012

Indigo

Die Helianau ist eine Internatsschule für Kinder, die an einer rätselhaften Störung leiden, dem Indigo-Syndrom. Jeden, der ihnen zu nahe kommt, befallen Übelkeit, Schwindel und heftige Kopfschmerzen. Hier unterrichtet der Mathematiklehrer Clemens Setz und wird auf seltsame Vorgänge aufmerksam: Immer wieder werden Kinder maskiert in einem Auto mit unbekanntem Ziel davongefahren. Als Setz beginnt, Nachforschungen anzustellen, wird er aus dem Schuldienst entlassen. Fünfzehn Jahre später berichten die Zeitungen von einem aufsehenerregenden Strafprozess um einen ehemaligen Mathematiklehrer, der unter Mordverdacht steht.

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Kommentar der Jury

Der Roman „Indigo“ von Clemens J. Setz dreht sich um eine mysteriöse Krankheit und ist zugleich eine scharfsinnig-psychedelische Spurensuche nach allem, was als human gelten könnte. Man trifft auf menschliche Monster, mitfühlende Gegenstände und Männer, die in Zigarettenautomaten verschwinden. Wie funktionieren Mitleid und Empathie, wenn Religion, Moral und andere metaphysische Überbauten wegfallen? Ein phantastisches Labyrinth voller Sprachwitz, schwarzer Pädagogik und leuchtender Bizarrerien.

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Der Turm

Preisträger 2008

Der Turm

Vom Dresdner Villenviertel aus verfolgen Anne und Richard den Niedergang eines Gesellschaftssystems. Sie gehören einer Schicht an, die im Sozialismus nicht vorgesehen ist: Sie sind Bildungsbürger. Das System verlangt jedoch Anpassung. Die Alternativen wären Ausreise oder Widerstand. Tellkamp entwirft ein episches Panorama der untergehenden DDR, in der Angehörige dreier Generationen die Revolution von 1989 zutreiben.

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Begründung der Jury

Uwe Tellkamps großer Vorwenderoman ,Der Turm’ entwirft in einer Fülle von Szenen, Bildern und Sprachformen das Panorama einer Gesellschaft, die ihrem Ende entgegentaumelt. Am Beispiel einer bürgerlichen Dresdner Familie erzählt er von Anpassung und Widerstand in einem ausgelaugten System. Der Roman spielt in den verschiedensten Milieus, unter Schülern, Ärzten, Literaten und Politkadern. Uwe Tellkamp schickt seinen rebellischen Helden Christian Hoffmann auf eine Höllenfahrt, aus seiner Enklave in den Militärdienst bis zum Strafvollzug der NVA. Den Lesern erschließen sich wie nie zuvor Aromen, Redeweisen und Mentalitäten der späten DDR. Unaufhaltsam treibt das Geschehen auf den 9. November zu.

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Grenzgang

Shortlist 2009

Grenzgang

Alle sieben Jahre steht Bergenstadt kopf: Man feiert Grenzgang, ein dreitägiges Volksfest, und dabei werden nicht nur die Gemeindegrenzen abgeschritten. Es ist die Jagd nach dem Glück, die die Protagonisten aus Berlin und Köln in die hessische Provinz und von dort in einen Swinger-Club in Frankfurt führt. Schnell kommen vermeintliche Sicherheiten abhanden denn das Eis ist dünn, auf dem Lebensentwürfe errichtet wurden.

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Kommentar der Jury

‚Grenzgang’, das ist der erste Roman eines jungen Wissenschaftlers, der sich mit seinem Debüt in die erste Reihe der deutschen Erzähler katapultiert. ‚Grenzgang’, das ist ein Fest in einem Kaff in Nordhessen, das nur alle sieben Jahre stattfindet, dann aber alle Grenzen sprengt. Die Menschen geraten außer Rand und Band, bis sie der Alltag wieder einfängt. Ein Heimatroman, der uns eine ganze Welt erschließt.

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Fliehkräfte

Shortlist 2012

Fliehkräfte

Hartmut Hainbach ist Ende fünfzig und hat alles erreicht: Er ist Professor für Philosophie und hat seine Traumfrau geheiratet, die er nach zwanzig Jahren Ehe immer noch liebt. Dennoch ist Hartmut nicht glücklich. Seine Frau ist nach Berlin gezogen, sodass aus der Ehe eine Wochenendbeziehung geworden ist, die gemeinsame Tochter hält die Eltern auf Distanz, der Reformfuror an den Universitäten nimmt Hartmut die Lust an der Arbeit. Als ihm das Angebot zu einem Berufswechsel gemacht wird, will er endlich Klarheit – über ein Leben, von dem er dachte, dass die wichtigen Entscheidungen längst getroffen sind.

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Kommentar der Jury

Stephan Thomes Roman „Fliehkräfte“ führt uns seismographisch genau ein Milieu vor Augen, das einmal der geistige Mittelpunkt unserer Kultur war, heute jedoch mit Wucht auseinander fliegt. Es scheitert in diesem leise daherkommenden Roman nämlich nicht nur eine Figur an sich selbst, weil sie einsehen muss, dass ihr ganzes Leben ein falscher Kompromiss ist, es geht um eine viel größere Desillusionierung: Thome zeigt uns die Disproportionalität von alter, humanistischer Gelehrsamkeit und übermächtig profaner Gegenwart.

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Menschenflug

Longlist 2005

Menschenflug

Stephan steckt in der Midlife-Krise und beschließt, eine Auszeit zu nehmen – auch von Frau und Kindern. Er will sich mit sich selbst beschäftigen und mit seiner Vergangenheit. Auf der Suche nach seiner Herkunft stößt Stephan auf die Spuren seines Bruders, den seine Eltern im Krieg auf der Flucht zurücklassen mussten. Er macht sich auf die Suche nach ihm, doch auf eine reale Konfrontation ist er nicht vorbereitet.

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Nichts Weißes

Shortlist 2012

Nichts Weißes

Schon früh steht für Marleen fest, dass ihr die Buchstaben eines Textes wichtiger sind als der Inhalt dahinter. Hineingeboren in eine erfolgreiche Werber- und Illustratorenfamilie, träumt sie von wahrhaft Großem: Sie möchte die perfekte Schrift erfinden. An der Kunsthochschule hat sie Rückenwind, ihr Pioniergeist treibt sie voran, und bald steckt sie mittendrin in der Jobwelt der Achtziger. Flexibilität ist gefragt und wird in der Welt der Werbung und des Designs immer wichtiger. Marleen ist ehrgeizig, überwindet alle Widerstände – und muss trotzdem aufpassen, dass sie ihren Traum nicht aus den Augen verliert.

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Kommentar der Jury

Eine besondere, wohl neue Spielart realistischen Erzählens zeichnet Ulf Erdmann Zieglers Roman „Nichts Weißes“ aus. Gerafft, direkt, unpathetisch, minimalistisch bis in die verknappenden assoziationsreichen Wortzusammensetzungen hinein wird von einem Leben berichtet. Der Text zwingt einen beim Lesen sogar dazu, sich Zeit zu lassen. Auch die Figur selbst fasziniert, Marleen, eine junge Frau, klug, die viel will im Leben, nichts Banales, keine Karriere, sondern ihren Weg gehen und die unserer Zeit angehört.

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Panischer Frühling

Shortlist 2014

Panischer Frühling

Ein Vulkanausbruch auf Island legt den europäischen Luftverkehr lahm, Zehntausende Menschen stranden an den Flughäfen. Während die Bilder der Aschewolke um die Welt gehen, steht über der Themse ein strahlend blauer Frühlingshimmel. Auf der London Bridge begegnet die Erzählerin einem jungen Mann mit einem Feuermal im Gesicht. Jonathan verkauft die Obdachlosenzeitung. Die beiden sind einander eigenartig vertraut. Allmählich gehen die vergessenen Geheimnisse des einen in den anderen über. Dann aber verschwindet Jonathan plötzlich und die Erzählerin macht sich auf die Suche: nach Jonathan und nach sich selbst.

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Kommentar der Jury

Ein strahlender Frühling liegt über London. Auf einer Themsebrücke begegnet die Erzählerin von Gertrud Leuteneggers Roman "Panischer Frühling" einem jungen Zeitungsverkäufer mit einem Feuermal im Gesicht. Die beiden so unterschiedlichen Menschen treffen sich nun täglich, vertrauen einander ihre Geschichten an, auch ihre Geheimnisse. - Ein schwebendes und tiefsinniges Buch, Großstadtroman und Kammerspiel in einem, getragen von einer so exakten wie musikalischen Sprache.

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Kruso

Preisträger 2014

Kruso

Als das Unglück geschieht, flieht Edgar Bendler aus seinem Leben. Er wird Abwäscher auf Hiddensee, jener legendenumwogten Insel, die, wie es heißt, schon außerhalb der Zeit liegt. Im Abwasch des Klausners, einer Kneipe hoch über dem Meer, lernt Ed Alexander Krusowitsch kennen – Kruso. Eine schwierige, zärtliche Freundschaft beginnt. Von Kruso, dem Meister und Inselpaten, wird Ed eingeweiht in die Rituale der Saisonarbeiter und die Gesetze ihrer Nächte, in denen Ed seine sexuelle Initiation erlebt. Doch der Herbst 89 erschüttert die Insel. Am Ende steht ein Kampf auf Leben und Tod – und ein Versprechen.

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Begründung der Jury

„Lutz Seiler beschreibt in einer lyrischen, sinnlichen, ins Magische spielenden Sprache den Sommer des Jahres 1989 auf der Insel Hiddensee – einem „Vorhof des Verschwindens“. Hier sammelten sich Sonderlinge, Querdenker, Freiheitssucher, Menschen, die aus der DDR fliehen wollten. Man darf die packende Robinsonade um den titelgebenden Kruso und den jungen Abwäscher Edgar als wortgewaltige Geschichte eines persönlichen und historischen Schiffbruchs lesen – und als Entwicklungsroman eines Dichters. Der Text entwickelt eine ganz eigene Dringlichkeit und ist nicht zuletzt ein Requiem für die Ostseeflüchtlinge, die bei ihrer Flucht ums Leben kamen. Lutz Seilers erster Roman überzeugt durch seine vollkommen eigenständige poetische Sprache, seine sinnliche Intensität und Welthaltigkeit.“

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Winters Garten

Longlist 2015

Winters Garten

Winters Garten, so heißt die idyllische Kolonie jenseits der Stadt, in der alles üppig wächst und gedeiht, die Pflanzen wie die Tiere, in der die Alten abends geigend auf der Veranda sitzen, die Eltern ihre Säuglinge wiegen und die Hofhunde den Kindern das Blut von den aufgeschlagenen Knien lecken. Winters Garten, das ist der Sehnsuchtsort, an den der Vogelzüchter Anton mit seiner Frau Frederike nach Jahren in der Stadt zurückkehrt, als alles in Bewegung gerät und sich wandelt: die Häuser und Straßenzüge verfallen, die wilden Tiere in die Vorgärten und Hinterhöfe eindringen und der Schlaf der Menschen schwer ist von Träumen, in denen das Leben, wie sie es bisher kannten, aufhört zu existieren.

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Eigentlich müssten wir tanzen

Longlist 2015

Eigentlich müssten wir tanzen

Eine Gruppe junger Männer verbringt ein Wochenende auf einer Berghütte. Als sie ins Tal zurückkehren, sind die Ortschaften verwüstet. Die Menschen sind tot oder geflohen, die Häuser und Geschäfte geplündert, die Autos ausgebrannt. Zu Fuß versuchen sie, sich in ihre Heimatstadt durchzuschlagen. Sie funktionieren, so gut sie können. Tagsüber streifen sie durch das zerstörte Land, nachts durch ihre Erinnerung. Auf der Suche nach einem Grund, am Leben zu bleiben. Reicht das Aufrechterhalten der wichtigsten Körperfunktionen, um von sich selbst sagen zu können, man sei am Leben? Die Antwort, die das Buch gibt, wird uns womöglich nicht trösten. Aber sie macht atemlos vor Spannung.

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Die Stunde zwischen Frau und Gitarre

Longlist 2015

Die Stunde zwischen Frau und Gitarre

In einem Wohnheim für behinderte Menschen wird die junge Natalie Reinegger Bezugsbetreuerin von Alexander Dorm. Der Mann sitzt im Rollstuhl, ist von unberechenbarem Temperament und gilt als »schwierig«. Dennoch erhält er jede Woche Besuch – ausgerechnet von Christopher Hollberg, jenem Mann, dessen Leben er vor Jahren zerstört haben soll, als er ihn als Stalker verfolgte und damit Hollbergs Frau in den Selbstmord trieb. Das Arrangement funktioniere zu beiderseitigem Vorteil, versichert man Natalie, die beiden seien einander sehr zugetan. Aber bald verstört die junge Frau die unverhohlene Abneigung, mit der Hollberg seinem vermeintlichen Freund begegnet. Sie versucht, hinter das Geheimnis des undurchschaubaren Besuchers zu kommen und die Motive seines Handelns zu verstehen.

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Das Pfingstwunder

Longlist 2016

Das Pfingstwunder

Der Ort ist prachtvoll, die Stimmung aufgeräumt: Renommierte Dante-Gelehrte aus aller Herren Länder tagen im altehrwürdigen Saal der Malteser auf dem römischen Aventin, mit Blick auf den Petersdom. Im Mittelpunkt steht die Göttliche Komödie, Dantes realismusgetränkter Einblick in die Welt nach dem Tod. Einer der eifrig Debattierenden ist Gottlieb Elsheimer, Frankfurter Romanist und nach eigener Einschätzung eher ein Kandidat fürs Fegefeuer als fürs Paradies. Bei aller Leidenschaft für den Forschungsgegenstand scheint ihm das zunehmend ausgelassene Verhalten der Kollegen seltsamer und seltsamer. Als die Kirchenglocken das Pfingstfest einläuten, bahnt sich ein Ereignis unbegreiflicher Art an.

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