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oder

Autorin

Angelika Klüssendorf

Das Mädchen

Shortlist 2011

Das Mädchen

Am Anfang scheint alles schon zu Ende zu sein: Der Vater trinkt und taucht nur selten auf, die Mutter lässt ihre Wut an den Kindern aus, die Mitschüler meiden das Mädchen, der kleine Bruder kapselt sich ab. Und doch gibt es eine Kraft, die das Mädchen trägt. Die Bilder aus „Brehms Tierleben“, die sie bewundert, der Traum vom kleinen Haus mit Garten und immer wieder Menschen, die ihr etwas bedeuten und die sie halten. Eines hat sie gelernt: Man muss sich holen, was man braucht. Nachdem sie mehrfach beim Ladendiebstahl erwischt wird, erweist sich das Kinderheim, in das sie kommt, überraschend als ein Refugium, wo Kindheit erstmals gelebt werden kann.

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Kommentar der Jury

Leere Schnapsflaschen, Schläge, tagelanger Hausarrest, ein hilfloser Bruder, eine unberechenbare Mutter mit wechselnden Männern im Schlepptau – so sieht der Alltag von Angelika Klüssendorfs heranwachsender Heldin aus. Doch das Mädchen besitzt eine eigentümliche Zähigkeit und beißt sich durch. Mit fotografischer Präzision nimmt die Autorin das DDR-Milieu in den Blick. Sie beherrscht die Kunst der Aussparung. Ihre Sprache ist prägnant und knapp, ihre Protagonistin eine Verlorene, die versucht, das System auszutricksen. Ein vielschichtiges Psychogramm und ein verstörender Pubertätsroman.

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April

Shortlist 2014

April

Die Kindheit ist vorüber, aber erlöst ist das Mädchen deshalb noch lange nicht. Das Mädchen, das sich mittlerweile April nennt – nach dem Song von Deep Purple –, hat die Zeit im Heim hinter sich, die Ausbildung abgebrochen und eine Arbeit als Bürohilfskraft zugewiesen bekommen. Zwischen alten Freunden und neuen Bekannten versucht sie sich im Leipzig der späten 70er-Jahre zurechtzufinden, stößt dabei oft an ihre eigenen Grenzen und überschreitet lustvoll alle, die ihr gesetzt werden, am Ende mit ihrer Ausreise auch die zwischen den beiden Deutschlands.

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Kommentar der Jury

Endlich geht es weiter mit dem Mädchen, das sich nun (nach einem deep purple Song) April nennt. Es sind die späten 70er Jahre in Leipzig und die frühen 80er in West-Berlin, die April zwischen VEB-Kombinat, Psychiatrie, Ausreise und dem Leben selbst taumeln lässt, immer zwischen zartem Glück und totalem Versagen, getrieben aus trostloser Kindheitsvergangenheit in eine ungewisse Zukunft. Angelika Klüssendorf versteht es prächtig uns in Aprils Sog zu ziehen. Lebensprall und traurig, nüchtern und klar, unsentimental und präzise, mit großer Lakonie: ein Meisterwerk - knapp 25 Jahre nach der Wende.

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