Preisverleihung 13. Oktober 2025
Preisverleihung 13. Oktober 2025
Zwei junge Männer stehen an vorderster Front einer überhitzten Konsum- und Leistungswelt – und halten stand, bis die Beschleunigung ihr Leben erfasst, überwuchert: Der idealistische Magnus Taue schreibt für das Kundenblatt eines Ölkonzerns, fühlt sich als Loser und hasst seine Arbeit mit der Wut eines Schläfers. Thorsten Kühnemund, Manager und Macho, leidet insgeheim am erfolgreichen Hochglanzleben voller Druck und Alphatierneurosen, er betäubt sich mit Alkohol, schnellem Sex und Abstürzen im molochartigen Clubbing der Stadt. Aus Schulzeiten bekannt, freunden die beiden sich zögerlich an. Doch dann brechen die Fassaden ein. Magnus fühlt sich zu Thorstens Freundin Laura hingezogen, und alle drei strudeln ins Haltlose. So beginnt eine Suche nach irgendeiner Wahrheit des Empfindens, Denkens und Tuns – eine Suche im Rausch, Schmerz und Wahn, und in der eigenen Seele.
Denise kommt mehr schlecht als recht mit ihrem Leben klar. Sie arbeitet im Discounter, ihre kleine Tochter Linda überfordert sie oft; die langersehnte New-York-Reise bleibt ein Traum. Mit dem Lohn für einen Pornodreh will sie endlich weiterkommen, aber man lässt sie auf ihr Geld warten. Immer öfter steht Anton an ihrer Kasse, der abgestürzte, verschuldete Ex-Jurastudent, der im Wohnheim schläft. Vorsichtig kommen sich die beiden näher. Doch während für Anton ein Gerichtstermin um 3000 Euro naht, müssen sie sich fragen, wie viel Nähe ihr Leben wirklich zulässt.
So rasant wie zärtlich erzählt Thomas Melle eine Liebesgeschichte in der Großstadt. Der hoch verschuldete Anton und die Kassiererin Denise suchen eine Ausweg aus ihrem verlorenen Dasein und versuchen Nähe. „3000 Euro“ ist ein Roman über Figuren, die jeder mal gesehen hat, die aber kaum einer kennt. Hier ist dank strenger Konstruktion und virtuoser Rhythmisierung ein neuer Ton der poetischen Sachlichkeit gewonnen: kräftig, träumerisch, empört und gelassen zugleich.
Thomas Melle leidet seit vielen Jahren an einer manischen Depression, auch bipolare Störung genannt. Nun erzählt er davon, erzählt von persönlichen Dramen und langsamer Besserung, und gibt einen außergewöhnlichen Einblick in das, was in einem Erkrankten vorgeht.
Dieses Buch erzählt von der verwundbaren Conditio Humana in unseren Zeiten. Dieses Buch tut weh, es erschüttert und es ist manchmal irrsinnig komisch. Thomas Melle berichtet von der Krankheit seiner seelischen Störung. Mit irrlichternder Präzision beschreibt er sein im Neuronenfeuerwerk verrücktes Selbst. Kongenial übersetzt er die wahnwitzige Wahrnehmungsverschärfung seiner paranoiden Psychose in grandiose Literatur. Mit der Chronik seiner manisch-depressiven Schübe, die ihn durch Clubs, Konzerthallen und Kliniken treiben, zeichnet Melle wie nebenbei ein Stimmungsbild der popkulturellen Gegenwart.
Wie viel Selbstbestimmung ist möglich, wenn das Leben von einer psychischen Krankheit fremdgesteuert ist? Wonach sehnt sich einer, der nichts mehr zu verlieren hat? Und wie könnte es aussehen, das letzte Glück? Willkommen im „Haus zur Sonne“, einer Institution, die zugleich Wunscherfüllungsmaschine wie Abschaffungsapparat ist. Lebensmüde und todkranke Menschen liefern sich in diese vom Staat finanzierte Klinik ein, um jeden nur erdenklichen Wunsch in Erfüllung gehen zu lassen und dann – ohne großes Aufsehen – aus dem Leben zu scheiden. Aber will, wer nicht mehr leben will, wirklich sterben?
Thomas Melle erzählt von extremen Höhenflügen, niederschmetternden Landungen und dem unbändigen Wunsch, das eigene Leben ad acta zu legen. Sein Roman führt uns in den Abgrund und in eine abgefahrene Wunscherfüllungsklinik namens „Haus zur Sonne“. Dort checkt der unter einer schweren bipolaren Störung leidende Ich-Erzähler ein, um seinem Leben ein Ende zu setzen. „Haus zur Sonne“ reiht sich in die lange Tradition großer Suizid-Romane, von Hermann Hesse über Sylvia Plath bis zu David Foster Wallace. Doch Thomas Melle macht sein eigenes Ding und gibt dem Ganzen einen fantastischen und komischen Dreh. Mit „Haus zur Sonne“ spinnt Melle seine mit „Die Welt im Rücken“ triumphal gestartete Selbsterkundung fort und entwirft eine ebenso dystopische wie utopische Welt.