Preisverleihung 5. Oktober 2026
Preisverleihung 5. Oktober 2026
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Die nominierten Titel für
den Deutschen Buchpreis 2026
Nach ihren gefeierten Romanen über Exil und postmigrantische Gegenwart legt Shida Bazyar eine literarische Archäologie der Heimat vor. In einer präzisen Tiefenbohrung der Provinz stellt sie die radikale Frage: Auf welchen Fundamenten bauen wir unsere Heimat?
Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre Vergangenheit aktiv verschweigt und zugleich zum Zufluchtsort für diejenigen wird, die hier Geborgenheit suchen. Der Roman führt uns durch die Jahre und die Köpfe derer, die das Dorf prägten: von jüdischen Familien, die alles verloren, über NS-Profiteure, die sich als unschuldige Mitläufer neu erfanden, bis hin zu den Familien Sharifi und Karimpour, die Jahrzehnte später aus dem Iran flüchten. Shida Bazyar gelingt ein virtuoses Erzählmosaik über die Last der Geschichte, die Lüge des Neubeginns und den Wunsch, endlich eine Heimat zu finden.
© Tabea Treichel
Shida Bazyar
Du sitzt im Übungszimmer, stürzt dich in die Revolutionsetüde, hämmerst mit aller Gewalt auf den Flügel ein, zerlegst den Raum und explodierst wie Leuchtfeuer am Himmel. Später stehst du auf dem Gang, bist brav, still, lächelst. Deine Wut findet nur in den Noten Platz. Deine Wut ist ein dressierter Bär. Ich strecke die Hand aus.
Christina besucht die Spezialschule für Musik in Berlin, ihr wird eine große Zukunft als Pianistin in der DDR vorausgesagt. Sie studiert am Tschaikowski-Konservatorium in Moskau. Doch kurz nach ihrer Rückkehr nimmt sie sich das Leben. Zärtlich und
eindringlich erzählt Bukowski von der Zerrissenheit einer jungen Künstlerin.
© Tobias Kruse
Helene Bukowski
Die Familie eines deutschen Jahrhunderts: Margarethe, Marianne, Monika, Miriam. Vier Generationen. Sie lieben sich, sie tun sich weh, sie kämpfen um ihre Unabhängigkeit. Sie stammen aus dem Bildungsbürgertum Dresdens, die Männer und Väter fallen in den Weltkriegen. Zum schlimmsten Zerwürfnis kommt es nach der Übersiedlung in den Westen, als die hochintelligente, labile Enkelin Monika in den Sechzigerjahren gegen alle Widerstände ein uneheliches schwarzes Kind zur Welt bringen will. Die Autorin selbst ist dieses Kind. Menschlich, eindringlich und mitreißend macht Miriam Carbe ein ganzes Jahrhundert erlebbar. Wer dieses Buch liest, begegnet sich selbst und den eigenen Familiengeschichten. Episch und epochal – ein Meisterwerk.
© Wolfgang Stahr
Miriam Carbe
Lazi sitzt im Zug nach Budapest und hat ein Ziel: Das Gewehr des Großvaters András, der während des Ungarnaufstands 1956 nach Argentinien fliehen wollte, aber in Eppingen landete. Im ungarischen Dorf erwarten Lazi unberechenbare Tanten, unzählige Schnäpse und die Großcousine Zsófi, die Lazi das Schießen beibringt. Nur Mónika, die Schwester der Mutter, versteht, was Lazis veränderter Körper zu bedeuten hat, nur sie ahnt den wahren Grund für Lazis Rückkehr: Rache üben, Gerechtigkeit finden. Auf der Suche nach dem Ursprung der Gewalt in der Familiengeschichte trennt Lazi eine Naht aus Scham und Schweigen auf. Hat schließlich das Gewehr des Großvaters und alle Fäden der Erzählung in der Hand. Und trifft eine Entscheidung.
„King Cobra“ erzählt zwischen Humor, Zärtlichkeit und Wut vom Widerstand gegen das Schweigen und davon, dass die Liebe kein Bluthund ist.
© Dorottya Márton
Muri Darida
Ein Brief sorgt für Aufruhr im Leben von Rina, ihrer Tante Valli und ihrer Großmutter Lydia: Von einem Tag auf den anderen verstummt die Großmutter. Rina beginnt, Fragen zu stellen – und bringt gegen alle Widerstände ein Gespräch zwischen den Generationen in Gang. Denn sie ahnt, dass sie von ihrer Familie nicht nur die eckige Figur und die Vorliebe für Vorabendserien geerbt hat, sondern auch ihre Ängste und Unsicherheiten.
Zwischen Novosibirsk der 1960er Jahre und dem Fürstenfeldbruck einer nahen Gegenwart folgt Alisha Gamisch in ihrem Debütroman den Lebenswegen dreier russlanddeutscher Frauen.
© Suzanne de Carrasco
Alisha Gamisch
Die Fleischtheke des Supermarkts am Tag, Stille bei Nacht: So sieht Coras Leben aus. Bis ihre Kindheitsfreundin Olympia verhaftet wird und alles zurückkommt. Der Sommer, in dem sie sich wiedergetroffen haben, in dem alles gesummt hat in ihr, das Seewasser noch auf der Haut, der Glitzer auf der Cap, die verzierten Fingernägel. Die langen Tage im großen, leeren Haus mit Olympia, die Cora erkennt, wie sie ist. Und wie schnell sie Olympia nicht mehr nur für sich hat nach der illegalen Party, auf der sie zum ersten Mal eine Grenze überschreiten und nach der Olympia so viel Zeit mit Ariel und ihrer Aktivistengruppe verbringt. Während Cora versucht, in der Schule und zu Olympia den Anschluss zu halten, schlägt eine radikale Idee ihre Triebe aus – und Cora verstrickt sich in ein Lügengespinst, aus dem es kein Entkommen zu geben scheint.
Eindringlich und betörend erzählt Franziska Gänsler von der Freundschaft zweier junger Frauen, ihrer Loyalität und dem unbedingten Willen, dazuzugehören. Sie zeichnet die Träume einer ganzen Generation.
© Bahar Kaygusuz
Franziska Gänsler
Sie sind überall, wir sehen sie jeden Tag. Egal ob in Delhi, Tel Aviv, Buenos Aires, Istanbul oder Berlin, überall schwirren sie durch die Städte: Essenslieferanten. Tomer Gardi verbindet ihre Geschichten zu einem weltumspannenden Gegenwarts-Epos.
Filmon, der aus Eritrea nach Tel Aviv geflüchtet ist, arbeitet als Lieferant. Er will genug Geld sammeln, um seiner Frau und Tochter nach Berlin zu folgen. Sein Job ist immer in Gefahr, er hat keine Arbeitserlaubnis und fährt unter falschem Namen. Seine Frau und Tochter lernen Deutsch bei Nina im Bildungszentrum, die zu einem Übersetzertreffen nach Delhi reist, wo sie sich in den Argentinier Ramon verliebt. Der Erzähler fährt nach Istanbul, um nach einer Gaunerei bei einem Literaturpreis das Preisgeld zu verprassen. Und in Buenos Aires muss Ramons Mutter mit der Abwesenheit ihres Sohnes fertig werden. „Liefern“ ist eine literarische Weltreise in sechs Episoden und eine Feier der Erzählkunst, wie sie nur Tomer Gardi veranstalten kann: tiefgründig und humorvoll, mit politischer Sensibilität und literarischer Verve. So gegenwärtig, so international, so politisch und leichtfüßig zugleich war lange kein deutscher Roman.
Der Roman entstand in Zusammenarbeit mit Anne Birkenhauer, die auch den Teil „Mimesis“ aus dem Hebräischen übersetzt hat.
© Maximilian Goedecke
Tomer Gardi
Eine Familie zwischen Kyjiw, Moskau und Berlin
Konstantin und Lada sind Geschwister. Während Konstantin in Moskau für ein Forschungsinstitut arbeitet, das für die Konservierung Lenins verantwortlich ist, lebt Lada als Künstlerin in Berlin. Seit dem Beginn des Krieges haben sie keinen Kontakt mehr. Lada kann nicht nachvollziehen, dass Konstantin in Moskau geblieben ist, und Konstantin hat einen Auftrag, der ihm Kopfzerbrechen bereitet: Für seinen Patenonkel soll er seltene Präparate stehlen.
Virtuos verwebt Valeria Gordeev die Geschichte einer Familie zwischen Berlin, Kyjiw und Moskau mit den Erschütterungen unserer Gegenwart.
© Alena Schmick
Valeria Gordeev
Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In Otto Mandl, einem genialen Mathematiker, findet die junge Franziska ihren Seelenverwandten. Sie lernt, sich mit Wörtern aus toten Sprachen gegen ihr Leiden zu immunisieren. Die beiden entwickeln eine absolute Sprachbesessenheit und forschen fortan und bis an alle denkbaren Grenzen gemeinsam nach der perfekten Sprache.
„Schleifen“ ist ein großer, ein kluger Roman über die Macht und den Einfluss von Sprache auf unser Leben, der richtig Spaß macht beim Lesen. Immer wieder stellt sich bei Elias Hirschl das schier Unglaubliche als wahr heraus, und der Rest ist extrem gut erfunden.
© Petra Weixelbraun
Elias Hirschl
Lemberg, 1941. Die sechzehnjährige Nelka wird von Soldaten aufgegriffen und mit zahlreichen Mädchen und Frauen nach Westen verschleppt. Auf einem norddeutschen Gutshof werden sie zu schwerer Arbeit gezwungen. Ihr Vater hatte Nelka früh im Obstbau unterrichtet, und schon als Kind hatte sie ihm beim Veredeln der Apfelbäume geholfen. Dank dieses Wissens kann sie sich anfänglich der Zudringlichkeit des Gutsverwalters erwehren. Sie plant den Apfelanbau für ihn, und die Plantagen bescheren ihm nach dem Krieg ein Vermögen. Jahrzehnte später kehrt Nelka an den Ort ihres Leidens zurück. Sie will, dass Marten sich an das erinnert, wovon sie selbst sich endlich befreien muss.
Welche Spuren die gewaltvolle Geschichte des 20. Jahrhunderts und Zwangsarbeit hinterlassen haben, bis in die Gegenwart und Landschaften hinein, das macht Svenja Leiber in ihrem neuen Roman sichtbar. Sie erzählt von Frauen, deren Wissen und Körper ausgebeutet wurden, die sich in Freundschaft verbanden und sich so gegen Erniedrigung und Brutalität stemmten. „Nelka“ beleuchtet ihre Schicksale hellwach und sensibel – und bewahrt die Erinnerung an sie.
© Ulf Aminde
Svenja Leiber
Abstand gewinnen. Von Köln, von ihrem Freund Theo, von einem Alltag, der ihr zu eng geworden ist. In Taipei hofft die junge Ärztin Nova, Klarheit zu finden – über sich und über das Verschwinden ihrer taiwanesischen Mutter, die sie als Zwölfjährige in Deutschland zurückließ, um als Künstlerin neu anzufangen. Doch auch in Taiwan kommt Nova nicht zur Ruhe. Nach den Schichten auf der Frühchenstation streift sie schlaflos durch die flirrenden Straßen und unterirdischen Malls der Stadt, verabredet sich zu One-Night-Stands. Erst als sie in einer Karaokebar Sihan begegnet – Tochter der Oberärztin und politische Aktivistin – beginnt sich etwas zu verändern. Zwischen den beiden entsteht eine zarte Nähe, und Nova bekommt zum ersten Mal eine Ahnung davon, wonach sie sich wirklich sehnt. Doch dann tritt tatsächlich ihre Mutter wieder in ihr Leben, und mit ihr das Risiko, erneut verloren zu gehen.
In einem radikal klaren, leisen Ton erzählt Leh-Wei Liao von den feinen Bruchlinien eines Lebens, von Einsamkeit, Begehren und der Suche nach Zugehörigkeit – und hat den Mut, Scherben Scherben sein zu lassen.
© Anja Köhne
Leh-Wei Liao
Ein Roman über das Ringen um Nähe, um Liebe, Loyalität und Freundschaft im Schatten staatlicher Kontrolle. Ein bestechendes Porträt von der Kraft und Zerbrechlichkeit menschlicher Bindungen, dem Enthusiasmus des Neuanfangs und dem Verlust von Illusionen.
Selbstregulierung des Herzens entfaltet ein vielfältiges Panorama des Lebens in der DDR und im frisch wiedervereinigten Deutschland. Im Zentrum stehen Georg, der anfangs noch hofft seinen Staat mithilfe von ersten Computern und Kybernetik vorwärtszubringen, und die Künstlerin Mona. Um sie herum entwickelt sich ein reiches Ensemble an Figuren: der illusionslose Intellektuelle Roland, der in den Westen flieht; Marlies, die versucht, das System von innen zu reformieren, sowie die Künstlerfreunde Monas. Alle treffen sich in einem Dorf in der Nähe von Wandlitz, wo bald seltsame geheime Bautätigkeiten beginnen. Mit stiller Wucht schreibt Peggy Mädler über das Flirren zwischen Halt und Auflösung – über Nähe und Entfremdung, Anpassung und Resilienz.
© Wenke Seemann
Peggy Mädler
Gegen Ende der Achtzigerjahre stürzt in einem italienischen Küstenort ein Friedhof ins Meer. Eine Urne, die an den Strand gespült wird, gibt ein Geheimnis preis: Der fünfundzwanzigjährige Pinò erfährt, dass sein Vater vor ihm schon einen anderen Sohn hatte. Als Pinò bewusst wird, dass er immer nur als Ersatz gedacht war, beginnt er die verschwiegene Vergangenheit seines Vaters zu erforschen. Doch dabei riskiert er, dass auch sein eigenes Geheimnis aufgedeckt wird. Die rätselhaften Merkmale seines Körpers drohen ihn zu verraten: Sein Bauchnabel fehlt, seine Stimme erzeugt keinen Widerhall, sein Atem hinterlässt in der Kälte keine Spur. Denn Pinò war nicht immer ein Mensch.
In „Aus anderem Holz“ interpretiert Giuliano Musio den Pinocchio-Stoff neu. Ein Roman über die Last der Herkunft und die Sehnsucht nach Selbstbestimmung.
© Mirko Kienle
Giuliano Musio
Sechs Jahre Beziehung. Sechs Jahre: Ja, nein, vielleicht. Sechs Jahre, in denen der Kinderwunsch der Erzählerin immer wieder vertagt wird. Und schließlich, kurz vor Torschluss, kündigt der erfolgreiche Schriftsteller den zwischenmenschlichen Vertrag einseitig auf. Er zieht weiter, das Werk ruft. Das Einzige, was der inzwischen 35-Jährigen bleibt: sich aufzurichten und den Trümmerhaufen ihres Lebens aufzuräumen.
Aber ist der Partner nun ein schlechter Mensch, weil bei ihm die Uhr nicht so laut tickt? Weil er sich noch mehr Zeit erbittet – und einen am Ende doch sitzen lässt? Und der nächste Partner auch. Und der übernächste auch. Bis die eigene Uhr abgelaufen ist. Wie gelingt einer Frau die Souveränität, wenn das Gegenüber immer wieder wortbrüchig wird? Und muss die Konsequenz sein, sich allein auf den Weg zu machen – mit aller Radikalität?
Anti Müller ist ein virtuoser, doppelbödiger Roman über die Beziehungsverhältnisse unserer Gegenwart, in denen sich patriarchale Macht nicht mehr durch dumpfe Gewalt manifestiert. Sondern ganz elaboriert und sanft: durch die brutale Weigerung, Verantwortung zu übernehmen.
© Julia Sellmann
Yade Yasemin Önder
Sanditz, eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler, Orgelbauer, Fliesensammler, Lokaljournalistinnen, selbsternannte Widerständler, Träumerinnen, Frührentner, Kinder, Liebespaare, verhuschte Archivare und die Familie Wenzel. Warmherzig und multiperspektivisch verwebt Lukas Rietzschel die Erzählung der Familie und der Sanditzer Stadtbewohner zu einem Panorama deutscher Geschichten – vom Ende der DDR bis in die jüngste Gegenwart, vom Besetzen der örtlichen Stasi-Zentrale bis zum Kampf eines Freiwilligen in der Ukraine, vom Abrackern auf westdeutschen Baustellen bis zum isolierten Inseldasein während der Corona-Epidemie.
Ein Roman über Aufbruch und Niedergang, Gelingen und Scheitern des Aufruhrs, Freundschaft und Familie in umwälzenden Zeiten, über den Wunsch nach Zugehörigkeit und die Sehnsucht nach Freiheit.
© Alexandra Polina
Lukas Rietzschel
Eingeladen zu einer Lesung aus seinem unfertigen Manuskript, fährt der Erzähler im Juni 2025 nach Mecklenburg, wo der Horizont weit ist und die Wolken tief über die Seen ziehen. Eine Landschaft, die ihm vertraut ist aus dem Sommer 1979, von dem sein Lesungstext handelt: von der ersten Liebe, den ersten Schreibversuchen, vom Eintauchen in eine Welt der Erwachsenen. Eine unerwartete Begegnung bei der Lesung scheint seine Novelle lebendig werden zu lassen und wirft damit die Frage auf, was wirklich war und was wirklich ist. War er damals zu jung für die große Liebe, und ist sie heute zu alt? Sind nur Illusionen verloren gegangen oder auch Ansprüche und Hoffnungen, die einer Gegenwart fehlen, in der die alte Angst vor einem Krieg, die überwunden war, wieder real erscheint?
Vielleicht ist die Liebesgeschichte „Das Wasser im August“ für den Erzähler auch eine Schule des Sehens und des Schreibens – und der Versuch, die Welt und die eigene Geschichte so rückhaltlos wie möglich zu erkunden.
© Andreas Labes
Ingo Schulze
Heidelberg im Frühling!
Bertram und Isolde, ein in die Jahre gekommenes Paar aus Oldenburg, möchten sich in der romantischen Kurpfalz mal einen richtig erholsamen Kurzurlaub gönnen. Vielleicht vertreibt das ja auch den seelischen Smog über dem Eheleben. Das Boutiquehotel ist teuer, aber dann gar nicht so toll; dafür haben die beiden gleich einen neuen Stamm-Italiener ausgemacht. Das Restaurant voller Flair befindet sich auf einem alten Flussschiff im Neckar.
Während die Ehe der beiden im Verlauf einer Woche zusehends aus der Form gerät, wird auch der abendliche Gang auf das Restaurantschiff immer mehr zur Enttäuschung, zur Strafe, zur Höllenqual. Das Teuflische bricht mit verheerender Macht in den Alltag, am Ende steht eine Katastrophe – und das alles zum Schlager-Oldie Memories of Heidelberg in Dauerschleife.
Ein Buch zur Ferienzeit – so schrecklich komisch wie „Ein Sommer in Niendorf“
© Dennis Dirksen
Heinz Strunk
Gulistan lebt mit ihrem Mann Çiya in einem Land, das sie anfeindet für ihre Sprache, ihr Denken, ihr ganzes Sein. Unter dem diktatorischen Regime Saddam Husseins werden sie als Kurden verfolgt. Als Çiya verschwindet, begibt Gulistan sich auf die Suche nach ihm. Nichts kann ihren Willen brechen, ihren Geliebten wiederzufinden, auch wenn ihr immer wieder das Ausmaß ihrer eigenen Ohnmacht vor Augen geführt wird. Schließlich begegnet sie Çiya bei einer Versammlung inmitten einer Menschenmasse wieder – in der Uniform des Diktators, als dessen Doppelgänger. Gulistan wird verhaftet und verliert zunehmend den Verstand, doch entwickelt umso stärkere Widerstandskräfte, nicht erst, als sie von ihrer Schwangerschaft erfährt. Wie soll man nicht dem Wahn verfallen angesichts einer Diktatur, die Wahrheiten verdreht, den Menschen alles nimmt und nichts kennt als die Sprache der Gewalt? Karosh Taha schreibt über die Angst in den Straßen, die Grausamkeit eines paranoiden Systems und den Widerstand durchs Erzählen, vielstimmig, lyrisch, dicht.
© Mina Amiri
Karosh Taha
Lales Kindheit im Berlin der 80er Jahre ist nicht wie jede andere. Während die Erwachsenen in ihrer Neuköllner Männer-Kommune Partys feiern, politisieren und die Revolution planen, während im Wohnzimmer Haschisch vertickt wird und ihr Vater jede Woche eine andere Freundin hat, darf Lale wach bleiben, solange sie will, Fanta trinken, Süßigkeiten essen und Fernsehen schauen. Lale wird sich selbst überlassen im stetig unsteten Umfeld, das auch Gefahren birgt. Sie muss sich ihren eigenen Weg erkämpfen als Frau, Künstlerin, Mutter – getrieben von ihrem unstillbaren Durst nach einem besseren Leben.
© Christoph Busse
Lilli Tollkien
Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren an derselben Universität – doch das ist auch schon alles, was sie verbindet. Anton entstammt einer Akademikerfamilie, Alma ist bei ihrer Mutter und ihrem lieblosen Stiefvater am östlichen Stadtrand aufgewachsen. Anton ist Jude. Alma nicht. Doch die beiden verlieben sich, ziehen zusammen, streiten und versöhnen sich, bis Anton nach New York geht, um dort seine Masterarbeit über die Massenkonversion der Chasaren zum Judentum zu schreiben. Alma bleibt allein zurück und sucht Halt in Antons Gemeinde. Erst die Ereignisse des 7. Oktober 2023 und des Gaza-Kriegs, die polarisierte Stimmung sowohl auf dem Campus als auch in seiner eigenen Familie lassen Anton zu Alma zurückkehren, bei ihr Trost und Zuflucht finden. Doch dann reißt ein tiefer Abgrund auf, und die Hoffnung auf Glück scheint ferner denn je.
Anton und Alma erzählt die Geschichte einer großen Liebe in einer zunehmend gespaltenen Welt. Von der Sehnsucht nach Aufrichtigkeit und Geborgenheit, von Trauer und Verlust, von Glauben und Zugehörigkeit – und von unser aller Versuch, dem Leben einen Sinn zu geben. Ein herzzerreißender, mutiger Roman darüber, was es bedeutet, Mensch zu sein.
© Max Zerrahn / Suhrkamp Verlag
Dana Vowinckel