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Jung und Jung Verlag

Das dunkle Schiff

Shortlist 2008

Das dunkle Schiff

Kerim, von Beruf Koch, macht sich aus dem irakischen Grenzland auf die beschwerliche und gefährliche Reise nach Europa. Er war unter Gotteskrieger geraten und mit ihnen durch das Land gezogen, bevor er sich entschied, vor ihrem Weg der Gewalt zu fliehen. Kerim versucht, in Deutschland ein neues Leben zu beginnen, und findet in dem fremden Land seine erste Liebe. Doch die Vergangenheit lässt sich nicht abschütteln.

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Kommentar der Jury

Ein moderner Abenteuerroman, spannend und bestürzend, der zugleich fast enzyklopädisch durch alle aktuellen Konflikte von Orient und Okzident führt, die Lebensgeschichte eines jungen irakischen Kurden zwischen islamistischem Terror und dem Elend der Emigration, gläubigem Fanatismus und westlicher Gleichgültigkeit.

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Reise zum Mittelpunkt des Herzens

Longlist 2006

Reise zum Mittelpunkt des Herzens

Tom und Linda sind ein Paar, lange schon. Jetzt warten sie auf Jack, ihren gemeinsamen Freund. Vor ihnen liegen Stunden des Wiedersehens. Aber so einfach sind die Dinge nicht. Denn Tom ist krank, sehr krank; ihm bleibt nicht mehr viel Zeit. Die Wirklichkeit ist brüchig geworden, es ist der Schmerz des bevorstehenden Abschieds, der sich mit der Liebe zu seiner Frau vermischt – zu einer zerstörerischen Eifersucht.

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Landgericht

Preisträger 2012

Landgericht

Richard Kornitzer wagt 1947 die Rückkehr aus dem Exil zurück nach Deutschland. Von Beruf Richter, ist die Nazizeit mit ihren absurden und tödlichen Regeln der Riss durch sein Leben. Nichts ist mehr wie vorher, die kleine Familie zwischen dem Bodensee, Mainz und England versprengt und die Heimat beinahe fremder als das in magisches Licht getauchte Exil in Havanna. In einer Zeit, die zwischen Depression und Aufbruch schwankt, gelingt Kornitzer das Ankommen nicht. Der Roman erzählt, indem er Dokumentarisches und Fiktives kombiniert, mit großer Wucht von den Gründungsjahren einer Republik.

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Begründung der Jury

Ursula Krechel erzählt in ihrem Roman „Landgericht“ die Lebensverwicklung des aus dem Exil zurückkehrenden Richters Richard Kornitzer. Er ist vom Glauben an Recht und Rechtsstaatlichkeit durchdrungen und zerbricht, als er in der Enge Nachkriegsdeutschlands den Kampf um die Wiederherstellung seiner Würde verliert. Die Sprache des Romans oszilliert zwischen Erzählung, Dokumentation, Essay und Analyse. Bald poetisch, bald lakonisch, zeichnet Krechel präzise ihr Bild der frühen Bundesrepublik – von der Architektur über die Lebensformen bis hinein in die Widersprüche der Familienpsychologie. „Landgericht“ ist ein bewegender, politisch akuter, in seiner Anmutung bewundernswert kühler und moderner Roman.

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Unter der Hand

Longlist 2013

Unter der Hand

Ist es ein Märchen, das hier erzählt wird, ist es die reine Wahrheit, ist es beides? Als Minna einer alten, aus Ostpreußen stammenden Dame begegnet, beginnt sich ein Beziehungskarussell zu drehen, bei dem Vergangenheit und Gegenwart durcheinandergewirbelt scheinen und der Glanz früherer und ferner Zeiten sich ins heutige München mischt. Einmal mehr zeigt sich, dass das Leben ein Kreislauf aus Geburt und Tod ist. Als Frühchen ist Minna auf die Welt gekommen, und auch ihr Ende, ob wahr oder erfunden, lässt nicht allzu lange auf sich warten. In aller Abgründigkeit führt "UnterderHand" nach Utopia und wieder zurück. An ein Ziel, das es wirklich gibt: Schwarzort.

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Tauben fliegen auf

Preisträger 2010

Tauben fliegen auf

Zuhause ist die Familie Kocsis in der Schweiz, doch heimisch fühlt sie sich dort nicht. Der familiäre Ursprung liegt im Norden Serbiens, dort, wo die ungarische Minderheit lebt, zu der die Kocsis auch gehören. Ausgewandert sind sie schon vor etlichen Jahren. Zuerst der Vater und dann, sobald es erlaubt war, auch die Mutter mit den beiden Töchtern, Nomi und Ildiko. Anhand einer Familie und ihrer Geheimnisse verzahnt Melinda Nadj Abonji Historisches und Privates zu einer Geschichte über die ungarische Minderheit in der Vojvodina und über den Jugoslawien-Konflikt.

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Begründung der Jury

Melinda Nadj Abonji erzählt, aus der Perspektive der Tochter Ildiko, die Geschichte einer ungarischen Familie aus der serbischen Vojvodina, die sich eine Existenz in der Schweizer Gastronomie gründet. Sie erzählt es mit einer eigenen und äußerst lebendigen Stimme, zunächst noch mit dem Blick des Kindes auf die Welt, dem alles neu ist und sich doch von selbst versteht, dann der jungen Frau, die allmählich die Brüche in und zwischen diesen sehr verschiedenen Welten wahrnimmt, immer aber mit einer großen Empathie und Humanität. Was als scheinbar unbeschwerte Balkan-Komödie beginnt, wenn die Familie mit einem klapprigen braunen Chevrolet die sommerliche Reise in die alte Heimat antritt – darauf fallen bald die Schatten der Geschichte und der sich anbahnenden jugoslawischen Kriege. So gibt das Buch ,Tauben fliegen auf’ das vertiefte Bild eines gegenwärtigen Europa im Aufbruch, das mit seiner Vergangenheit noch lang nicht abgeschlossen hat.

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Berlin liegt im Osten

Longlist 2013

Berlin liegt im Osten

Aus einem kaukasischen Städtchen über Leningrad bis nach Berlin führt das grandiose Roman-Debüt von NelljaVeremej, das seine geographischen und kulturellen Motive schon im Titel trägt. »Berlinliegtim Osten« heißt das Buch, in dem von den städtischen Enklaven russischer Migranten ebenso farbig erzählt wird wie von Provinzkindheiten in der ehemaligen Sowjetunion. Das Berlin dieses Romans, der rund um den Alexanderplatz spielt, hat seine Reservate der Einsamkeit und der Lebensfreude, und es wird durch die unnachahmliche Stimme einer Ich-Erzählerin lebendig, die den nur scheinbar unspektakulären Beruf einer Altenpflegerin ausübt. Durch sie hindurch wandern die Lebensgeschichten der Klienten und verbinden sich mit ihrer eigenen Biografie. Darin gibt es neben dem aberwitzigen, fast surrealen Osten auch ein Deutschland, in dem diese Frau endgültig anzukommen versucht. »BerlinliegtiOsten« lebt von der zarten Zuneigung der Autorin zu ihren Figuren, der Roman entwirft ein großes Panorama aus Geschichten und Geschichte, und er handelt vom Anfang allen Erzählens: von der Erinnerung.

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Die Witwen

Longlist 2016

Die Witwen

Witwe ist keine der vier Frauen, von denen hier erzählt wird. Dazu wären sie vielleicht auch noch zu jung. Aber zu Witwen fehlen ihnen vor allem die Männer. Nur die eine, Penny, war verheiratet. Ist verheiratet? Der Mann ist verschwunden, und so lebt sie mit Sohn und Schwiegereltern abgelegen am Moselstrand zwischen Weinbergen. Nicht allein, ihre drei Freundinnen (Beatrice, Dodo und Laura) sind ihr von Berlin in die Provinz gefolgt. Sie beschließen eines Tages, große Fahrt zu machen, aufzubrechen. Sie mieten sich einen Wagen und suchen per Anzeige jemanden, der sie fährt. Dass sie unterwegs eine Panne haben, wird zu unserem Glück. Und zum Glück ihres Chauffeurs, der auch etwas vermisst. Die vier beginnen zu erzählen, ihm, den anderen, sich selbst.

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Ein langes Jahr

Shortlist 2016

Ein langes Jahr

Benjamin lebt mit seiner Mutter allein, die Wohnung in der Siedlung am See ist klein, den Hund, den er gerne hätte, kriegt er nicht. Eines Tages begegnet Benjamin Herrn Agostini, einem alten Mann aus der Nachbarschaft. Ihm leistet der Hund „Hemingway“ Gesellschaft. Aber Herr Agostini ist nicht mehr gut auf den Beinen, er weiß nicht, was aus »Hem« werden soll. Ähnlich wie Karin, die gerne wüsste, wer sich um ihren Hund kümmert, wenn ihr was zustößt, wie sie sagt. Eva Schmidt erzählt davon, wie wir leben, allein und miteinander, und wie wir uns dabei zuschauen.

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Kommentar der Jury

19 Jahre hat die mehrfach ausgezeichnete, in Bregenz lebende Schriftstellerin kein Buch veröffentlicht. Und nun legt sie diesen schmalen Roman vor. In 38 Episoden erzählt sie aus wechselnden Perspektiven von Bewohnern ihrer Stadt. Es sind Kinder, Alte, alleinstehende Frauen, ein Obdachloser. Beziehungen zwischen diesen Figuren bahnen sich an und kommen nur zart oder dann doch nicht zustande, Pläne werden nicht ausgeführt oder scheitern, alles geschieht hier leise und immer wieder glitzert der Bodensee dazwischen. Die Sprache ist zurückhaltend, kein Wort ist zu viel. Der melancholische Text erfordert Aufmerksamkeit, wofür man als Leser jedoch reich belohnt wird.

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